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Der supervisorische Blick am Beispiel des Erstkontaktes
- von Marie Luise Schwennbeck
Eine telefonische Anfrage auf Anrufbeantworter.
Ein Rückruf meinerseits.
Eine Vereinbarung zum kennen lernen.
Schon die Anfrage löst bei mir Assoziationen, Gefühle, Wahrnehmungen aus.
Die Stimme, die Art und Weise der Anfrage, die Darstellung des Anliegens.
Beim Rückruf verfestigen oder verändern sich die ersten Impulse.
Wer ist Ansprechpartner, auf welcher Ebene ist die Anfrage von Supervision
angesiedelt, welche Fragen hat der Gegenüber, über welchen Weg ist er an
mich gekommen, wie gestaltet sich der Kommunikationsfluss zwischen ihm und
mir, wie verbindlich werden Absprachen getroffen?
Nachdem ich mir via Internet einen vorläufigen Eindruck über die
Organisation oder Institution gemacht habe, kommt es zum ersten
persönlichen Kontakt. Diese Gespräche führe ich ausgesprochen gerne, ich
freue mich darauf, bin mit Neugier und Lust auf neue Menschen und
Situationen dabei.
Der erste Eindruck der Einrichtung.
Erste Gefühle die ich wahrnehme.
Begegnung mit den Menschen in der Organisation, Blicke, Mimik, Gestik,
Worte.
Konstellation der "Kennenlernsituation" (welche Ebenen sind vertreten?)
Vorstellung der Anwesenden (welche Information wird wie gegeben?)
Eigendarstellung (wonach wird gefragt?)
Der klassische Ablauf, die Exploration nach Auftrag und Ziel ist bekannt.
Mir geht es hier um die Frage, was im Erstkontakt ist das
"Supervisorische"?
Was unterscheidet Supervisoren und Supervisorinnen von anderen Beratern?
Was ist das Besondere der Supervision?
- eine grundsätzlich offenen, authentische, allparteiliche Haltung,
- mit Neugier und Interesse verstehen zu wollen,
- wohlwollende, annehmende Einfühlung,
- Achtsamkeit und Achtung vor dem Gegenüber,
- die Bereitschaft, Verantwortung für die Problemlösung zu übernehmen, in
der Balance Person und Organisation,
- einen diagnostischen Blick zu haben, d.h. die Kompetenz der
Institutions- und Problemanalyse, der Exploration sowie der Reflexion,
- das Wissen um die eigene Introspektionsfähigkeit und die objektbezogene
Reflexivität,
- Sicherheit in Wahrnehmung, Fühlen und Intuition,
- Zusammenhänge herstellen zu können zwischen dem, was gesagt wird, dem,
wie die Menschen sich verhalten und dem, was nebenbei auch noch
dargestellt wird (z.B. Umgang mit der Zeit, Störanfälligkeit,
Gastfreundlichkeit, Sitzordnung),
Das Besondere der Supervision ist, wahrzunehmen mit allen Sinnen, die
Fähigkeit dieses zu reflektieren und professionell in Handeln umsetzen zu
können.
Im Erstkontakt geht es vorrangig um das Fundament einer verlässlichen,
verbindlichen Arbeitsbeziehung.
Auf dieser Basis gilt es, für alle Seiten eine Auftragsklärung zu
ermitteln und eine klare Prozessgestaltung zu verabreden, welche im
Dreieeckskontrakt vereinbart werden.
Das unterscheidet die Supervisoren und Supervisorinnen von anderen
Beratern.
Die Komplexität, Person - Interaktionen im Team- oder Gruppenkontext - und
Organisation, in den Blick zu bekommen und daraus einen Eindruck, eine
Idee, eine erste Diagnose zu gewinnen,
das ist das Supervisorische im Erstkontakt.
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