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Supervision / Coaching als Personalentwicklungsinstrument
- von Beate Ahrends
Sowohl früher als Personalreferentin, als auch heute als Trainerin und
Supervisorin / Coach bewegt mich die Frage, ob Mitarbeiter, die an einer
Fortbildung oder Supervision / Coaching teilnehmen, daraus einen
wirklichen Nutzen für ihre Arbeit und sich persönlich gewinnen. Und ob die
jeweilige Organisation diesen Nutzen wünscht und ihn nach der Fortbildung
/ Supervision / Coaching wahrnimmt und nutzt.
Wenn in der Personalentwicklung Supervision / Coaching als Instrument z.B.
zur Förderung von Ressourcen und Potenzialen oder zur Klärung von
schwierigen Situationen eingesetzt wird - wie wird dann die Wirkung für
den Einzelnen oder die Organisation eingeschätzt. Tritt eine spürbare
Veränderung für alle Beteiligten ein? Wird das Ergebnis der Supervision /
des Coaching gemessen oder bleibt es sich selbst überlassen?
Wie wird Supervision / Coaching zu einem wirkungsvollen
Beratungsinstrument?
In der Supervision / Coaching findet die Arbeit entweder mit
Einzelpersonen, Teams oder Gruppen statt. Die Themen, die dort behandelt
werden, werden unter einem systemischen Blick bearbeitet.
In erster Linie geht es oft um die Klärung der eigenen Rolle, Aufgabe und
Position. Wie sieht die Aufgabe aus, wird sie als klar definiert und
abgegrenzt erlebt oder schwammig und einer stetigen Veränderung
unterworfen. Passen die eigenen Ziele zu der Rolle und Aufgabe. Ist
ausreichend Potenzial vorhanden, den Anforderungen zu genügen?
Und sie können nicht losgelöst von den Beziehungen zu Kollegen,
Mitarbeitern, Vorgesetzten oder Kunden betrachtet werden. Hier geht es
z.B. um die unterschiedliche Wahrnehmung von Kommunikations- und
Informationsverhalten, Abgrenzung und Klarheit von Aufgaben und Rollen,
die Art des Miteinander Umgehens.
Bei den Anforderungen aus der Organisation oder den Unternehmenszielen
spielen Fragen zu Veränderungsprozessen und deren Nachvollziehbarkeit, und
der Druck, der daraus entsteht oder erlebt wird, eine Rolle. Auch, wie die
Bedeutung der eigene Rolle in der Organisation eingeschätzt wird.
Der Einfluss und die Wirkung des Marktes, der Konkurrenz, der Umwelt oder
des Umfeldes werden je nach Position z.T. gar nicht mehr wahrgenommen,
fast ausgeblendet oder als übermächtiger, aber schwer zu fassender
Einflussfaktor betrachtet.
Ziel der Supervision / des Coaching ist es, die Zusammenhänge zwischen
diesen unterschiedlichen Einflussfaktoren deutlich und nachvollziehbar zu
machen. Die Wirkungen, die aus diesem Zusammenspiel entstehen, sind u.a.
mit den Fragen zu betrachten, was ist gut/förderlich für den Einzelnen und
was ist gut/förderlich für die Organisation. Wie sind Verantwortlichkeiten
verteilt und wie ist der Einzelne in der Lage, seine Verantwortung zum
Gelingen des Ganzen zu übernehmen und zu tragen? Besitzt er die
entsprechenden Potenziale und Ressourcen, um die Aufgaben zu bewältigen?
Welche Verantwortlichkeit und Unterstützung übernimmt die Organisation?
Einbindung in Personalentwicklung
Supervision / Coaching sollte genauso wie alle anderen PE-Instrumente
anerkannt und in ein entsprechendes Konzept eingebaut sein. Das bedeutet,
dass sowohl in der Personalentwicklung als auch bei Führungskräften und
Mitarbeitern klar ist, zu welchem Zweck Supervision / Coaching eingesetzt
werden kann. Die Unterschiede zu anderen PE-Instrumente sollten deutlich
sein.
Anerkennung für das Instrument kann dadurch erzielt werden, dass es
ressourcen- und nicht defizitorientiert eingesetzt wird. So können Ängste
bei den Teilnehmern abgebaut werden, die häufig meinen, dass sie durch die
Teilnahme Schwächen aufdecken bzw. in dem Ruf stehen, nicht in der Lage zu
sein, alleine ihre Aufgaben lösen zu können. Dabei geht es vielmehr darum,
Potenziale zu stärken, Ressourcen sinnvoll zu nutzen und die Performance
zu professionalisieren.
Mit allen am Prozess Beteiligten (Auftraggeber, Supervisor / Coach und
Supervisanden / Coachee) sollten eindeutige Auftrags- und Zielklärungen
für den Prozess erfolgen, die durch Zwischen- und Endauswertungen
begleitet und überprüft werden. Wichtig für den Supervisions- /
Coachingprozess ist, dass ein klar definierter Anfang und Ende besteht.
Das führt dazu, dass ziel- und lösungsorientiert gearbeitet und bei
möglichen "Abschweifungen" wieder auf das eigentliche Thema zurückgeführt
wird. Bekommen die "Abschweifungen" eine besondere Bedeutung, ist es
erforderlich, dass eine neue Auftrags- und Zielklärung erfolgt.
Um nun Supervision / Coaching erfolgreich umzusetzen bzw. zu nutzen,
braucht es für den Prozess einige unterstützende Aspekte. Dazu gehören
u.a., dass die Veränderungen, die in der Supervision / im Coaching
erarbeitet werden, anerkannt und unterstützt werden. Wer kennt nicht den
Satz von Fortbildungen, aus denen jemand mit einem veränderten Verhalten
zurückgekommen ist, "ach, warte noch mal zwei Tage, dann ist er wieder der
Alte". D.h. es war nicht die Bereitschaft vorhanden, dem geänderten
Verhalten eine Chance zu geben. Es ist ja auch für die anderen nicht
bequem, sich auf verändertes Verhalten einzustellen und damit umzugehen.
Ist allerdings Supervision / Coaching im Unternehmen akzeptiert und wird
als ressourcenorientiertes Instrument anerkannt, dann kann die Veränderung
als Gewinn gesehen werden. Die Arbeit an sich selbst wird Teil einer
professionellen Haltung zur eigenen Position und Aufgabe. So ist es gut,
wenn die Ideen und Erkenntnisse aus der Supervision / dem Coaching im
Arbeitsalltag eingesetzt und auf ihre Wirkung hin überprüft werden. Ist
bekannt, dass ein Einzelner oder ein Team an einer Supervision / einem
Coaching teilnimmt, kann es sogar sein, dass andere auf die Ergebnisse
neugierig werden. Und die Erkenntnisse werden möglicherweise auch als
Hilfestellung von anderen angefragt.
Da, wo Supervision / Coaching erfolgreich als Beratungsinstrument
eingesetzt wird, sind die Effekte für die Menschen und für die
Organisation erkennbar.
Für den Menschen führt es insgesamt zur Verbesserung des
Selbstbewusstseins. Das zeigt sich dadurch, dass er seine Ressourcen und
Potentiale erkennt, fördert, besser einsetzt und nutzt. Für die
Kommunikation und Wahrnehmung innerhalb der verschiedenen
Beziehungsgeflechte entsteht eine wesentlich höhere Sensibilität, sodass
Kommunikationsprozesse, z.B. im Kundenkontakt, zwischen Mitarbeitern, in
einem Projektteam oder zwischen Führungskräften und Mitarbeitern
erfolgreicher gestaltet werden können. Die Wahrnehmung der eigenen Rolle
und die damit verbundenen Aufgaben werden bewusster erkannt, da ihre
Bedeutung innerhalb der Organisation, aber auch der Nutzen für die
Organisation deutlicher werden.
Das trägt auch zu einer wesentlich fundierteren Entscheidungskompetenz
bei. Die unterschiedlichen Aspekte, die zu einer Entscheidung führen,
werden besser erkannt, der "Tunnelblick" erweitert. Die Persönlichkeit des
Mitarbeiters wächst, eine größere Arbeitszufriedenheit entsteht.
Für die Organisation ergeben sich entsprechende Vorteile bzw. positive
Ergebnisse.
In Veränderungsprozessen können durch die Supervision / das Coaching
schneller die anstehenden Notwendigkeiten erkannt und umgesetzt werden.
Supervision sorgt dafür, dass "die Seele des Menschen" seiner
Funktionalität besser nachkommen kann und das Verstehen für die neue
Situation dadurch umfassender wird.
So können aus den erkannten Notwendigkeiten die Effizienz und
Zielorientierung anders angegangen werden, als wenn nur Anweisungen
umgesetzt werden, die aber im Prinzip nicht nachvollzogen wurden.
Insgesamt ergibt sich durch die Unterstützung in der Supervision / im
Coaching bei allen Beteiligten ein klarer Blick für das Zusammenspiel der
verschiedenen Rollen und Aufgaben in einem Unternehmen, was sowohl für den
Mitarbeiter als auch für das Unternehmen förderlich und gewinnbringend
ist.
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